Imkerei

 

   
  Vorgänge

Die Vorgänge in einer Imkerei lassen sich in verschiedene Bereiche gliedern.
  • Direkte Arbeiten an den Völkern
  • Bereitstellung von Material für die Völker
  • Honigernte, Verarbeitung und Abfüllen des Honigs und
  • Verkauf des Honigs

Direkte Arbeiten an den Völkern

Die Arbeit an den Völkern ist die schönste Arbeit. Sie fängt damit an, dass man in bestimmten Abständen die Stände kontrolliert, ob noch alles in Ordnung ist. Etwa ob Stürme die Kästen abgedeckt haben. Allmählich, wenn es wärmer wird, fliegen die Bienen zu ihren ersten Reinigungsflügen nach dem Winter aus. Wenn bestimmte Pflanzen blühen, sammeln die Bienen auch schon die ersten Pollen. Wenn der Imker sieht, dass die Bienen Pollen sammeln, ist alles im Volk in Ordnung. Etwa ab Mitte März kontrolliert der Imker, ob die Völker noch genügend Futter haben. Ist das nicht der Fall, hängt er von Völkern, die zuviel Futter haben, ein paar Waben mit Futter um. Etwa um die Zeit der Kirschblüte ist die Zeit des stärksten Volkswachstums. Die Völker bekommen nun ihre Waben, in die sie den Blütenhonig einlagern sollen. Das können unbebrütete, ausgebaute Waben sein, aber auch nur Mittelwände. Die Mittelwände werden bei entsprechender Tracht sehr schnell ausgebaut, und die Bienen füllen ihn auch gleich mit Honig.

In diese Zeit fällt auch die Schwarmzeit. Das Volk will sich vermehren und legt einige bis viele Zellen an, in denen junge Königinnen herangezogen werden sollen. Der Imker muss Sorge dafür haben, dass die Völker nicht abschwärmen, da sich sonst der Honigertrag verringert. Der Imker bricht die Schwarmzellen, so dass keine neue Königin entsteht. Dabei kommt er in einen Genuss, der vielen Menschen verborgen bleibt. Er kann Gelee Royale kosten. Vom Gelee Royale wird behauptet, dass es ein Jungbrunnen ist und Leistung bereitstellt.

In die gleiche Zeit der Schwarmzeit kommt die Königinnenaufzucht. Der Imker bildet spezielle Pflegevölker, die ihm die Larven seiner Wahl, das sind Larven von Völkern, die sich als besonders in Sanftmut und Ertrag herausgestellt haben, pflegen und zu Königinnen machen. Eben durch Gelee Royale. Die Schwarmzeit kann sich von Ende April bis Mitte Juni ziehen.

Im Anschluss an diese Zeit kommt die Honigernte. Nur reifer Honig wird entnommen. Das kann man daran erkennen, dass die Wabe, in der der Honig eingelagert ist, mindestens zu 2/3 verdeckelt ist .Eine weitere Probe vor Ort ist die Spritzprobe. Der Imker hält die Wabe waagerecht über das Volk und bewegt sie ruckartig nach unten und oben. Spritzt noch Honig heraus, ist er noch nicht reif und wird nicht entnommen.

Will der Imker noch weitere Honigsorten als die an seinem Standort üblichen Honige ernten, muss er sich nach weiteren geeigneten Trachten umschauen. Das kann Wald- oder Tannenhonig sein, aber auch Edelkastanien- oder Lindenhonig.

Ab Anfang August muss sich der Imker mit einem Parasiten befassen, den es erst seit ca. 25 Jahren in Deutschland gibt, der aber mittlerweile fast auf der ganzen Welt verbreitet ist. Dieser Parasit heißt Varroamilbe. Er ist vor allem ein Brutparasit, da er sich in der verdeckelten Brutzelle (Arbeiterinnen- und Drohnenbrut) vermehrt und dabei die sich entwickelnde Bienen schwächt oder sogar lebensunfähig macht. Sobald die letzte Honigernte eingefahren ist, muss der Imker dafür sorgen, dass die Milbenpopulation unter eine bestimmte Anzahl Milben gedrückt wird. Das kann entweder mit synthetischen Wirkstoffen, mit ätherischen Ölen oder mit organischen Säuren geschehen. Der Nachteil der synthetischen Wirkstoffe liegt darin begründet, dass sich diese Wirkstoffe auch im Wachs oder im Honig wieder finden lassen. Außerdem bilden die Varroamilben aufgrund ihrer schnellen Generationsfolge Resistenzen gegen diese synthetischen Wirkstoffe aus. Ich behandle meine Völker ausschließlich mit organischen Säuren. Diese sind zu einem bestimmten Teil auch natürlicherweise im Honig enthalten.

Ende August/ Anfang September steht bei mir die Auffütterung der Völker an. Da man den Bienen den Honig (das Winterfutter) entnommen hat, muss der Imker für Ersatz sorgen. Er gibt den Bienen Zuckerwasser, damit sie im Winter nicht verhungern. Ein Volk braucht vom September bis April ca. 15-20 kg Zucker Trockensubstanz. Jedoch nicht als Würfel- oder Kristallzucker, sondern in Form von Zuckerlösung oder Zuckerteig. Im Winter ist bei den Völkern selber nicht mehr viel zu tun. Nun folgen die Winterarbeiten wie Mittelwände gießen, Rähmchen drahten und Mittelwände einlöten, Bienenwohnungen ausbessern oder bauen, Bienenwachskerzen gießen und so weiter.

Bereitstellung von Material für die Völker
Die Völker wohnen bei mir in einem Magazin in Freiaufstellung. Je nach Volkstärke kann der Raum den Bienen angepasst werden. Zwischen Brutraum und Honigraum befindet sich bei mir ein Absperrgitter, damit die Königin keine Eier in die frischen Waben legen kann, in denen der Honig gelagert werden soll. Damit ist gewährleistet, dass der Honig nur aus Waben gewonnen wird, in denen noch keine Brut gepflegt worden ist. Die Bienen putzen zwar die Zellen nach jedem Brutsatz, es ist aber nachgewiesen, dass Honig aus bebrüteten alten Waben dunkler ist als aus unbebrüteten und frischen.

Es muss daher schon im Winter und Vorfrühling darauf geachtet werden, dass genügend Material zur Verfügung steht, wenn die Arbeit bei den Bienen beginnt. Wenn die Arbeit an den Bienen beginnt, ist für solche Arbeiten keine Zeit mehr.

Die Arbeiten sind:

  • Beuten herrichten oder kaufen
  • Mittelwände gießen
  • Rähmchen basteln und Mittelwände einlöten

 

   
   

Honigernte, Verarbeitung und Abfüllen des Honigs

Nur reifer Honig wird geerntet. Reif, das heißt, dass der Wassergehalt unter 18 % liegt. Ansonsten kann der Honig bei unsachgemäßer Lagerung in Gärung übergehen. Osmophile Hefen können diese Gärung verursachen. Ob der Honig reif ist, erkennt man daran, dass die Bienen die Zellen mit reifem Honig mit einem Wachsdeckel versehen oder der trotz Spritzprobe (schnelles wiederholtes auf und ab bewegen der Wabe) in der Wabe bleibt. Ist der Honig reif, wird er geerntet. Im Schleuderraum wird der Honig noch stockwarm entdeckelt, das heißt das Wachsdeckelchen wird entfernt. Das kann mit verschiedenen Verfahren geschehen. Die Waben werden sodann in eine Honigschleuder gestellt und mittels Fliehkraft wird der Honig aus den Waben geschleudert. Er sammelt sich dann und läuft zum Hahn heraus. Da vom Entdeckeln noch Wachstteilchen im Honig vorhanden sind, wird der Honig nun gesiebt. Dies geschieht mit einem Doppelsieb. Grob- und Feinsieb. Der Honig läuft alsdann in das Honiggefäß, wo er noch 3 Tage stehen bleibt. Ganz feine Wachsteilchen treiben nach oben und können von oben abgenommen werden. Das nennt man Abschäumen.
Anschließend kommt flüssiger Honig in eine Abfüllkanne. Sie hat unten einen Quetschhahn, mit dem sich exakt die Abfüllmenge Dosieren lässt.

Blütenhonige werden zuerst noch gerührt, da sie sonst grob auskristallisieren. Sie werden mit einem Honig bekannter und gewünschter Konsistenz geimpft und gerührt. Dadurch hat es der Imker im Griff, welche Konsistenz der Blütenhonig haben soll. Sieht der Imker beim Rühren einen perlmuttartigen Glanz, ist es Zeit, den Honig abzufüllen.
Honigtauhonige werden auch gerührt, um eine Durchmischung des Honigs zu gewährleisten und ein ausgeglichenes Zuckerspektrum zu erhalten.

Bienenzyklus übers Jahr

Januar: Die Bienen überwintern in einer Volksstärke von 5000 bis 15000 Bienen, je nach Alter und Zustand des Bienenvolkes. Bei großer Kälte sitzen die Bienen in einer Wintertraube, die möglichst wenig Oberfläche hat deshalb sehr wenig Futter verbraucht. Die sobald es aber etwas wärmer wird, fangen die Bienen mit der Aufzucht von Nachwuchs an. Den Winter gibt es Winterbienen. Sie werden nun langsam von den nun aufgezogenen Bienen ersetzt. Bei gutem Wetter und eventuell schon blühenden Haselnußsträuchern fliegen die Bienen auch aus und sammeln diese.
Februar: Es ändert sich noch nicht viel im Bienenvolk: Kälterückschläge, wie sie des öfteren im Februar kommen, veranlassen die Bienen eventuell, wieder aus der Brut zu gehen. Doch wenn es das Wetter erlaubt, fliegen die Bienen wider aus und entledigen sich ihres im Winter in der Kotblase angesammelten Kotes. Ein gesundes Volk entledigt sich immer außerhalb des Stockes seines Kotes, um den Stock sauber zu halten. Die Tracht wird immer besser, die Bienen holen mehr Pollen, das Brutnest wird größer.

März: Die Völker beginnen jetzt so richtig mit dem Brüten, wenn es die Witterung zulässt, das heißt, wenn keine starken Kälteeinbrüche vorkommen. Starke Völker beginnen auch schon Ende März mit der Aufzucht von Drohnenbrut. Die Völker werden immer stärker.

April: Die Zeit des großen Blühens ist nun gekommen. Die Kirschbäume blühen und die Bienen sind beinahe am Höhepunkt ihrer Volksentwicklung angekommen. Wenn die Kirsche blüht, weiß der Imker, dass er den Honigraum geben muss. Das bedeutet, er setzt eine weitere Zarge mit unbebrüteten Leerwaben oder mit Mittelwänden aus Bienenwachs auf den Brutraum. Dazwischen hat er ein Absperrgitter gelegt, damit die Waben unbebrütet bleiben. Das macht er aus Rücksicht auf den Honig, der damit nicht mit Ausscheidungen der Bienenlarven in Berührung kommt.
Mai: Der Mai ist die Hauptschwarmzeit. Also die Zeit, in der sich die Bienenvölker vermehren wollen. Der Imker will aber eher Honig als Schwärme, deshalb muss er auf der Hut sein und die Völker am Schwärmen hindern. Dies ist die arbeitsintensivste Zeit. In diese Zeit fällt nun auch die Königinnenzucht mit der Völkervermehrung. Der Imker vermehrt gezielt Königinnen, die am meisten seinen Wünschen entsprechen und bildet mit diesen die Jungvölker. Sie sind der Garant für eine erfolgreiche Ernte im nächsten Jahr.

Juni: Die Hauptschwarmzeit ist nun vorbei. Vereinzelt muss der Imker noch Völker kontrollieren. Jetzt steht Anfang Juni die erste Honigernte an. Bei mir in der Gegend wird hauptsächlich ein wohlschmeckender Blüten-Misch-Honig geerntet. Er beinhaltet Löwenzahn, Obstblüte und teilweise auch Raps, wenn dieser angebaut wurde. Das ist aber nicht jedes Jahr der Fall. Deshalb schmeckt der Honig auch jedes Jahr etwas anders, je nach Trachtverlauf. Dieses Jahr hat in den Ausläufern des Schwäbischen Waldes der Wald Mitte Juni angefangen zu Honigen. Hier war die Tanne beteiligt. Doch schon nach kurzer Zeit war diese Tracht wieder vorbei.

Juli: Die Bienen stehen noch im Wald und genießen die schöne Aussicht. Da die Völker fast keine Drohnenbrut mehr pflegen, muss der Imker die Varroamilbe im Auge haben. Hat er den letzten Honig geerntet, muss er bei hohem Varroa-Befall einschreiten und die Völker mit Ameisensäure behandeln. Jungvölker sind jetzt in ihrer Entwicklung bei genügender Fütterung auf dem Aufsteigenden Ast.

August: Die Völker werden auf den Winter vorbereitet. Alte Waben werden entfernt und eingeschmolzen. In den Völkern finden sich die ersten Winterbienen. Jetzt ist eigentlich die Hauptzeit für die Varroabehandlung mit Ameisensäure. Diese Wirkt bei auch in die Brut. Anschließend werden die Völker aufgefüttert, da man ja ihren Honig entnommen hat.
September: Zweite Auffütterung. Anteil an Winterbienen wird höher, die Brutnester kleiner. Zum Schutz vor Mäusen muss man die Fluglöcher einengen oder Mäusegitter davor anbringen.

Oktober: Bei den Bienen gibt es jetzt wenig zu tun. Bei schönem Wetter fliegen die Bienen noch aus und suchen nach Pollen, der heutzutage in Form von Senfpollen reichlich vorhanden ist (Gründüngung der Felder).
November: Bei Kälte haben sich die Völker zu einer Wintertraube zusammengezogen und die Völker haben jetzt eine Stärke von 5000-15000 Bienen. Nur wenn es Warm ist oder sie wieder aufheizen müssen, um Futter zu sich zu nehmen, lösen sie die Wintertraube auf.

Dezember: Die Bienen ruhen immer noch. Ende des Jahres, wenn es um die Weihnachtszeit wieder warm wird, können sie wieder eine kleine Menge Brut pflegen. Jetzt hat der Imker alle Hände voll mit Weihnachtsverkauf zu tun. Bei schönem und warmem Wetter fliegen die Bienen aus, um ihre Kotblase zu leeren.